Unser Goldberg früher

von Anne Graf

 

1978 zog ich mit meiner Familie von Stuttgart auf den Goldberg in die Siedlung am Görlitzer Weg.

Das Siedlungswerk der Diözese Rottenburg hatte sie im Bauhausstil geplant und viele innovative Ideen umgesetzt, die noch heute Bestand haben.  20 junge Familien mit 33 Kindern zogen in die Häuser ein – katholische, evangelische Christen und auch ein paar Mitarbeiter der Stadt hatte man ausgesucht. Durch den gemeinsamen Start schlossen sich die Menschen eng zusammen. Und so entstand eine Nachbarschaft, die ihresgleichen suchte.

 

War es die starke Präsenz der Anwohner in den beiden Kirchengemeinden auf dem Goldberg oder waren es die weißen kastenförmigen Häuser, die im Stil ein wenig an die Bebauung von Siedlungen in Israel erinnerten. Jedenfalls bekam die Siedlung bald den Spitznamen „Klein Jerusalem“.

 

Wir stießen ca. 10 Jahre später zu dieser Gemeinschaft, wurden aber herzlich aufgenommen. Wir genossen die Nähe der Schulen, Kirchen und auch des Berliners Platzes. Hier konnte man alles zum täglichen Gebrauch erwerben. Es gab einen Metzger, ein Lebensmittelgeschäft, eine Heißmangel mit Schneiderei, die Bäckerei Meier mit den berühmten großen Brötchen, die auch die Bewohner anderer Stadtteile anzogen, und sogar eine Poststelle war vorhanden.

 

 

Die Attraktion, die viele Besucherinnen und Besucher von nah und fern anzog, war unser Wasserturm. Zur damaligen Zeit war er noch bewirtschaftet. Herr Sika erfreute die Gäste  mit köstlichen Speisen, und von dort oben hatten man wohl den schönsten Blick über Sindelfingen.

 

Wenn man über den Goldberg lief, sah man viel Grün und hörte Vogelgezwitscher. Die Autobahn, die uns heute das Leben so erschwert, gab es noch nicht. Es wurde gerade gestritten, ob sie nach Leonberg (wo sie eigentlich hingehörte) oder auf den Goldberg kommen sollte. Es hatte sich sogar eine Bürgerinitiative gegründet, die dies verhindern wollte, doch die ließ sich später, als es für uns ernst  wurde,  mit den Worten beruhigen, dass die Straße natürlich einen begrünten Deckel bekommen würde, wenn denn mal mit einem größeren Verkehrsaufkommen zu rechnen sein würde. 

Doch niemand konnte sich damals vorstellen, dass wir einst an einer Stadtautobahn wohnen würden, die mit einem Verkehrsaufkommen von täglich bis zu 130.000 Autos und Schwerlastverkehr den Bürgerinnen und Bürgern  krankmachende Lärmbelästigung und Schadstoffimmissionen bringen sollte. 

 

 

Auch die Zusammensetzung der Menschen war damals ganz anderes. Viele IBMler und Daimler-Mitarbeiter hatten sich mit ihren Familien auf dem Goldberg angesiedelt. Und somit war es ein ganz junger Stadtteil, der damals vielen Familien mit Kindern ein Zuhause gab.

 

 

Eiscafé Firenze
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